Die offene Ladenkasse

Nach § 146 Abs. 1 Satz 2 AO müssen die Kasseneinnahmen und Kassenausgaben täglich festgehalten werden.

 

Zur rechnerischen Ermittlung der Tageseinnahmen (= Tageslosung) dienen täglich zu erstellende Kassenberichte. Sie dokumentieren den tatsächlich ausgezählten Kassenbestand bei Geschäftsschluss auf den Cent genau. Hiervon werden zur Ermittlung der Tagesbareinnahmen der Kassenanfangsbestand (= tatsächlich ausgezählter Kassenbestand bei Geschäftsschluss des Vortages) und die Bareinlagen abgezogen und die im Laufe des Tages getätigten Barausgaben und Barentnahmen hinzugerechnet.

 

Sowohl die Barausgaben als auch die Bareinlagen sowie die Barentnahmen sind durch gesonderte Belege nachzuweisen. Werden als Anlage zum Kassenbericht jedoch keine (Eigen-)Belege wie z. B. Quittungen oder andere Dokumente über Privatentnahmen und Privateinlagen beigefügt, handelt es sich nicht um einen rein formellen Mangel, sondern um einen schwerwiegenden Mangel in der Kassenführung. In diesen Fällen droht im Rahmen einer steuerlichen Betriebsprüfung eine Hinzuschätzung.

 

Zusätzlich sollte der Unternehmer – ohne dass dies nach dem HGB oder der AO gesetzlich gefordert wird – ein Zählprotokoll erstellen. Das Zählprotokoll dient als weiterer Nachweis (Indizwirkung) gegenüber dem Finanzamt, dass der Kassenbestand tatsächlich täglich durch eine materielle Bestandsaufnahme aufgenommen wird.

Hinweis: Wenn Zählprotokolle fehlen, kann dies in der Regel für sich allein kein Anlass für eine Hinzuschätzung sein. Vielmehr müssen insgesamt die Ordnungsmäßigkeitsmängel so gewichtig sein, dass die Kassenbuchführung zu verwerfen ist.

In seinem Urteil vom 25.3.2015 weist der BFH darauf hin, dass das Fehlen täglicher Kassenberichte einen gravierenden formellen Mangel darstellt, der schon für sich genommen zu einer Hinzuschätzung berechtigt.

Das Zählprotokoll sollte von der Person oder den Personen unterschrieben werden, die auch das Geld gezählt haben. Bei einer offenen Ladenkasse ist es ausreichend – sofern keine Einzelaufzeichnungspflicht besteht –, wenn eine summarische Ermittlung der täglichen Kasseneinnahmen aus dem ausgezählten Kassenbestand erfolgt (retrograde Methode).

Bei Einzelaufzeichnungspflicht sind Kassenbuch/Kassenbericht und Einzelaufzeichnungen aufzubewahren.

 

Musterzählprotokoll:

Zählprotokoll                      Datum:                


als Anlage zum Kassenbericht Nr.                      


Scheine


Anzahl


Gesamtwert in Euro

500,00 €

 

 

200,00 €

 

 

100,00 €

 

 

50,00 €

 

 

20,00 €

 

 

10,00 €

 

 

5,00 €

 

 

Summe I:

 

 


Münzen


Anzahl


Gesamtwert in Euro

2,00 €

 

 

1,00 €

 

 

0,50 €

 

 

0,20 €

 

 

0,10 €

 

 

0,05 €

 

 

0,02 €

 

 

0,01 €

 

 

Summe II:

 

 

Gesamtsumme:
(I. und II.)

 

 

                              
                Unterschrift
 

 

 

Beispiel eines Kassenberichts:

Kassenbericht 

  

Datum:

  

Nr.

  

Kassenbestand bei Geschäftsschluss 

  

 Buchvermerk

Ausgaben im Laufe des Tages 

Vorsteuer

Netto-

  

  

  

%

Betrag

Betrag

  

  

1. Wareneinkäufe und Warennebenkosten

  

  

  

  

  

2. Geschäftsausgaben

  

  

  

  

  

3. Privatentnahmen (nachgewiesen durch Eigenbeleg)

  

  

  

  

  

4. Sonstige Ausgaben (z. B. Bareinzahlung bei der Bank)

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

Summe

  

  

abzüglich Kassenbestand des Vortages 

  

  

  

= Kasseneingang 

  

  

  

  

  

abzüglich sonstige Einnahmen

  

  

  

  

  

abzüglich Privateinlagen (nachgewiesen durch Eigenbeleg)

  

  

  

  

  

= Bareinnahmen (Tageslosung) 

  

  

  

  

  

 _______________________________
                Unterschrift

  

  

  

  

  

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© Björn Balluff